Spielbericht des HBW-Pressedienstes

Disziplinierte Leistung wird mit zwei Punkten belohnt

Es war die Hölle-Süd wie man sie kennt, wie man sie als HBW-Fan liebt und die den Gegner das Handgelenk zittern und wie im Falle der MT Melsungen die Nerven verlieren lässt. Die Gallier von der Alb fühlten sich in dem Hexenkessel pudelwohl, spielten diszipliniert und holten am Ende mit einem hochverdienten 29:25(13:12)-Erfolg zwei ganz wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt. Der Außenseiter geriet gegen den Tabellensechsten während der gesamten sechzig Minuten nur ein einziges Mal mit einem Treffer in Rückstand und hat nicht zuletzt deshalb das Spiel letztendlich hochverdient gewonnen. Die Nordhessen sind in der Balinger SparkassenArena vor allem an ihren Nerven gescheitert und mussten in der Tabelle die TSV Hannover-Burgdorf und zumindest bis Sonntag den SC Magdeburg vorbeiziehen lassen.

„Heute hat man erlebt, dass die Halle tatsächlich vier, fünf Tore ausmacht“, freute sich Tobias Wagner, der nach seiner endlos langen Verletzungspause ein mehr als gelungenes Comeback feierte. Der österreichische Nationalspieler wusste gar nicht, über was er sich mehr freuen sollte. Über sein starkes Debüt in der Balinger SparkassenArena, über seine ersten zwei Treffer im Trikot der Gallier von der Alb oder über die verdienten zwei Punkte gegen die MT Melsungen. Auch Rückkehrer Pascal Hens hat nach überstandener Verletzung ganz, ganz wichtige Akzent im Angriff gesetzt und gezeigt, wie wichtig er in dieser Saison für die Schwaben noch werden kann.

Die Disziplin mit der die Hausherren die vorgegebene Taktik durchzogen, ließ schon fast vergessen, dass sie vor Spielbeginn den Ausfall von Abwehrchef Davor Dominikovic zu verkraften hatten. Dessen Rolle hatte Christoph Foth übernommen und neben ihm scheute vor allem Matti Flohr keinen Zweikampf mit den Melsungern Kampfmaschinen. Vor allem er und auch „Fothi“ hatten es immer wieder mit den beiden Müller-Zwillingen zu tun, bei denen Ex-HBWler Phillip sich mal wieder selber übertroffen hat. Er hatte es schnell zum Buhmann der 2350 Zuschauer geschafft. Als er in der 50 Minute nach seiner dritten Zeitstrafe die Rote Karte sah, konnte er es sich nicht verkneifen, den Unparteiischen auch noch den Vogel zu zeigen und als erster Spieler in der Balinger SparkassenArena die „Blaue Karte“ zu bekommen. Damit ist er automatisch für das nächste Spiel gesperrt.

Die Disziplinlosigkeit der Müller-Brüder übertrug sich auf die gesamte Melsunger Mannschaft. Die international erfahrene Truppe, die ja auch für den EHF-Cup qualifiziert ist, verlor vor allem im Angriff immer wieder den Faden und Trainer Michale Roth zählte nach dem Schlusspfiff insgesamt 18 technische Fehler seiner Mannschaft. Auch die Hausherren waren nicht fehlerfrei und man hatte Trainer Rúnar Sigtryggsson an der Außenlinie noch nie so erregt gesehen, wie im Spiel gegen Melsungen. Seine Jungs fanden aber immer wieder in Spur zurück. Die Disziplin mit der die Hausherren agierten, machte sich vor allem in der Unterzahl bezahlt. Als Jannik Hausmann in der 17. Spielminute, beim Stande von 6:5 eine Zeitstrafe bekam, konnten seine Mitspieler die Unterzahl mit 2:1 für sich entscheiden. Das 8:6 brachte aber keinerlei Sicherheit ins Spiel der Hausherren. Ganz im Gegenteil! Kaum wieder vollzählig kassierten sie den 8:8-Ausgleich und Sigtryggsson sah sich gezwungen, seine erste Auszeit zu nehmen. Der Erfolg des Timeout hielt sich allerdings in überschaubaren Grenzen, denn der Melsunger Torhüter konnte sich nach einem schwachen Abschluss zum ersten Mal als Torschütze ins Protokoll eintragen. Er traf zum 8:9 ins verwaiste Balinger Gehäuse. Torhüter Tomáš Mrkva hatte seinen Platz zu Gunsten eines zusätzlichen Feldspielers geräumt.  Die Führung der Gäste hielt aber nicht lange. Pascal Hens glich zum 9:9 aus und Matti Flohr und Tobias Wagner mit seinem ersten Bundesligatreffer brachten die Hausherren wieder mit 11:9 in Führung.

Beim Stande von 13:12 wurden die Seiten gewechselt und wer geglaubt hat, dass der Europapokal-Teilnehmer aus Melsungen das Spiel im zweiten Durchgang besser in Griff bekommt, der wurde schnell eines Besseren belehrt. HBW-Youngster Tim Nothdurft erhöhte auf 14:12. Nationalspieler Johannes Sellin konnte auf 14:13 verkürzen, hatte aber kurze Zeit später seine Nerven nicht im Griff. Für Meckern kassierte er eine Zwei-Minuten-Strafe und weil er immer weitermachte, bekam er zwei weitere Minuten oben drauf. In dieser Phase konnte man kaum noch erkennen, dass Handballspiel gespielt wird. Die Partie war zerfahren, hektisch und wurde durch die beiden Unparteiischen Christoph Immel und Ronald Klein immer wieder unterbrochen. Trotzdem blieben die Hausherren auch weiterhin in Führung.

Den ersten negativen Höhepunkte hatte das Spiel in der 47. Minute, als Martin Strobel im Konter durchbrach und von Melsungens Patrik Fahlgren grob unsportlich gefoult wurde. Der Melsunger Spielmacher bekam direkt Rot und konnte damit frühzeitig zum Duschen. Drei Minuten später folgte ihm sein Mitspieler Philipp Müller, der zusätzlich auch noch die Blaue Karte bekam und nur eine Zeigerumdrehung später war auch für Christoph Foth nach seiner dritten Zeitstrafe der Arbeitstag beendet. Die Hausherren versuchten in der ganzen Hektik die Ruhe zu bewahren so gut es ging. Sie trafen immer wieder und konnten den Vorsprung auf bis zu vier Tore ausbauen. Nach dem 26:22 in der 54. Spielminute konnte Melsungen zwar nochmals aufg 26:24 verkürzen, aber Martin Strobel, der auf der Spielmacherposition ein überragendes Spiel ablieferte, machte mit dem 27:24 zwei Minuten vor dem Schlusspfiff den Deckel drauf. Den letzten Treffer erzielte Lars Friedrich und als unmittelbar danach der Schlusspfiff folgte, kannte der Jubel keine Grenzen.

Die Mannschaften

HBW Balingen-Weilstetten: Tomáš Mrkva, Peter Johannesson (TW); Pascal Hens 4, Christoph Foth, Tobias Wagner 2, Matthias Flohr 2, Jannik Hausmann 2, Lars Friedrich 5, Tim Nothdurft 3, Martin Strobel 4, Yves Kunkel 5/3, Markus Stegefelt, Sascha Ilitsch 2;

MT Melsungen: Johan Sjöstrand 2, Svetislav Verkic (TW); Marino Maric 6, Johannes Sellin 6/1, Patrik Fahlgren 2, Felix Danner 1, Philipp Müller 1, Momir Rnic 1, Timm Schneider, Michael Allendorf 3/1, Nenad Vuckovic, Dener Jaanimaa 2, Michael Müller 1, Arnoldus Haenen;

Zeitstrafen

HBW 9, MTM 9

Strafwürfe

HBW 4/3, MTM 3/2;

Nächstes Spiel

SG Flensburg-Handewitt – HBW Balingen-Weilstetten, Mittwoch, 16. November, 19 Uhr, Flens-Arena in Flensburg.

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