Interview André Doster
André Doster: „Trainerqualität ist das Wichtigste“
In der Handball-Bundesliga ist der HBW Balingen-Weilstetten nicht nur als „Gallier von der Alb“ bekannt, sondern auch als Ausbildungsverein. Grund dafür ist die Talentschmiede unter der Bundesligamannschaft. Der Perspektivkader des HBW in der dritten Liga Süd und im Besonderen die JSG Balingen-Weilstetten. Ohne dieses Fundament wäre erfolgreicher Bundesligahandball im Zollernalbkreis nicht möglich. André Doster hält als Sportlicher Leiter und Trainer das Projekt JSG am Laufen. Für die hervorragende Jugendarbeit wurde den Schwaben 2013 zum sechsten Mal in Folge das Jugendzertifikat verliehen.
Herr Doster, wie erleichtert waren Sie, als Sie erfuhren, dass dem HBW das Gütesigel erneut verliehen wird?
Ich mache das nicht zum ersten Mal. Aber die Anforderungen sind enorm gestiegen. Deswegen war ich dieses Mal sehr ehrleichtert.
Warum ist dieses Gütesigel so wichtig?
Für uns ist es eine Bestätigung, dass wir das, was wir machen, sehr gut machen und mit den richtigen Werkzeugen arbeiten. Bereits vor dem Jugendzertifikat sah die JSG-Philosophie viele Dinge vor, die nun Kriterium für die Vergabe des Gütesigels sind. Top ausgebildete Trainer, Mannschaften in allen Altersklassen undhöchste Spielklasse mit allen Jugendmannschaften – das wurde nicht für das Jugendzertifikat geschaffen, sondern war schon vorher vorhanden.
Und warum ist es allgemein wichtig?
Weil es auf bundesweiter Ebene nicht sein kann, dass sich die großen Bundesligisten aus der Jugendarbeit heraushalten. Es muss ein Ansporn sein eigene Talente auszubilden. Und es ist als Erfolg anzusehen, dass die großen Mannschaften wie der THW Kiel oder HSV Handball nachgezogen haben.
Das Jugendzertifikat wird nur nach bestimmten Kriterien vergeben. Welcher Aufwand steckt dahinter?
Der Aufwand ist die gesamte Jugendarbeit. Das fängt dabei an, Kinder fürs Handball zu begeistern. Es muss dafür gesorgt sein, dass für alle Mannschaften die Möglichkeit zum Trainieren besteht. Wir haben bei der Trainerwahl hohe Ansprüche. Der gesamte Spielbetrieb muss organisiert werden. Inzwischen ist die JSG zu einem kleinen Unternehmen geworden. Über das gesamte Jahr hinweg ist das eine riesen Arbeit.
Welche Kriterien müssen erfüllt werden?
In jeder Altersklasse muss es eine Mannschaft geben. Es muss eine Leistungsorientierte Infrastruktur vorhanden sein. Darüber hinaus wird Qualität verlangt. Von der C- bis zur A-Jugend muss in der höchsten Liga des Landesverbandes gespielt werden. Die Trainer müssen entsprechend qualifiziert sein, es müssen also C-, B- und A-Lizenzen nachgewiesen werden. Desweitern müssen interne und externe Trainerfortbildungen organisiert und diverse Kooperationen eingegangen werden. Das sind die elementaren Punkte.
Welcher Punkt ist am schwierigsten umzusetzen?
Das Thema Kooperation Schule und Verein, welches seit neuestem verlangt wird, ist nicht einfach. Es ist schwierig alles abzudecken, denn die Talente kommen von verschiedenen Orten und gehen auf unterschiedliche Schulen. Ziel wäre es, den Handball in der Schule zu platzieren und einen Trainingsbetrieb in den Morgenstunden zu ermöglichen. Hier sind wir noch nicht optimal aufgestellt. Aber wir sind mitten im Prozess und nähern uns dem ersten kleinen Ziel.
Wo gibt es sonst noch Defizite?
Wir sind beim Thema Hallenzeiten und Kapazitäten am absoluten Limit. Zudem wird die Bereitschaft der ehrenamtlichen Helfer weniger. Im Bereich der medizinischen Betreuung und Individualtrainer sind wir qualitativ gut aufgestellt. In Sachen Quantität haben wir aber noch Luft nach oben. Insgesamt haben wir in der jungen Vereinsgeschichte aber schon viel erreicht. Nun dürfen wir uns aber nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Wir müssen uns der Herausforderung stellen, die Qualität zu halten. Das gilt für die Strukturen, vor allem aber für die Trainer. Das ist eine sehr schwere Aufgabe. Eine gute Jugend-Arbeit steht und fällt mit der Trainerqualität. Hier ziehe ich meinen Hut vor den Jugendtrainern, die quasi ehrenamtlich drei bis vier Mal die Woche in der Halle stehen und die Jugendlichen ausbilden.
Streben Sie und der Verein auch das Jugendzertifikat 2014 an?
Selbstverständlich. Aktuell sind wir perspektivisch schon wieder in der Planung. Wir wollen die Kriterien weiterhin erfüllen, damit wir den Antrag im September problemlos abgeben können.